Zum Hintergrund:
Korrespondenzen aus dem Großherzogtum Baden nach Ostasien bzw.
Australien gehören zu den absoluten Destinationsraritäten dieses
Sammelgebietes. Alle fünf bislang bekannten Belege liefen ausnahmslos
auf der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Postroute via Marseille
und der anschließenden „Overland-Verbindung“ zwischen Mittel- und Rotem
Meer über Ägypten, welche die zuvor erforderliche zeitaufwendige
Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung ersetzte. |
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Tarifliche Behandlung:
Dieser zunächst unzureichend frankierte Briefpostbeleg nach
Niederländisch Indien aus dem Jahr 1864 lag mit einem Gewicht von knapp
über 15 g noch innerhalb der ersten badischen jedoch bereits in der
dritten französischen Gewichtsstufe. Korrespondenzen nach den nicht
explizit in den badischen Tariflisten ausgewiesenen überseeischen
Ländern mussten bis zum betreffenden überseeischen Landungshafen
frankiert werden. Folgerichtig wurde der Beleg beim Grenzpostamt in Kehl
zurückgewiesen und mit der Aufforderung „ganz zu frankieren“ (1)
versehen. Die fehlenden Gebühren mussten bei der Aufgabe-Postanstalt
erhoben werden, wonach das Belegstück gemäß dem Teilfrankozwang bis
Singapur freigemacht war. Dabei war allerdings abermals ein Fehler
unterlaufen: Anstatt des Verrechnungsstempels „P.D.“ (2) hätte man den
„P.P.“-Stempel aufdrücken müssen.
Für die letzte Etappe nach Batavia hatte der Empfänger noch 2 x 25 = 50
Cent (3) nach der zweiten niederländischen Gewichtsprogression zu
entrichten, denn diese steigerte sich im Gegensatz zur badischen (ca.
15,5 g) und französischen (7,5 g) im 15-g-Schritt.
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| Badisches Porto |
1.Gewichststufe |
3 Kreuzer |
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Französischer Anteil |
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| inkl. Seeporto bis Singapur : |
3.Gewichststufe |
3 x 24 |
= 72 Kreuzer |
Gesamtgebühren |
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75 Kreuzer |
Niederländischer Anteil
(ab Singapur) |
2.Gewichststufe |
2 x 25 |
50 Cent |
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Näheres zur Postroute:
Erstmals in Karlsruhe am 20.10.1864 aufgegeben,
wurde der Beleg schließlich am 02.11. via Straßburg nach Marseille
geleitet, wo er am 12.11.1864 an Bord des Postdampfschiffes „Ellora“ der
britischen PENINSULAR & ORIENTAL STEAM NAVIGATION COMPANY (P & O) ging.
Über Malta (14./15.11.) erreichte man am 18.11. Alexandria. Auf dem
Landweg ging es dann weiter mit der seit dem 01. Januar 1856 betriebenen
Eisenbahn via Kairo nach Suez, wo die Beförderung mit der Overland Mail
endete.
In Suez stach die „Nubia“ am 19.11. in See, durchquerte das Rote Meer
und erreichte am 25.11. Aden. Nach einem Tag Aufenthalt in der
persischen Hafenstadt (26.11.) war am 05.12. Ankunft in Point de Galle /
Ceylon. Wiederum mit einem Postdampfschiff der P & O – der „Carnatic“ –
ging es am Nikolaustag weiter über Penang / Straits Settlements (12.12.)
nach Singapur (14.12.). Hier wurde das Postpaket an die Postbehörden von
Niederländisch Indien übergeben. Von Singapur aus brach die „Oenarang“
der CORES DE VRIES Schiffahrts-Gesellschaft am 15.12. zur letzten Etappe
nach Batavia auf. Das Ziel in Niederländisch Indien wurde schließlich am
19.12.1864 erreicht.
Zur philatelistischen Einordnung:
Aus dem FA von Wolfgang Flemming BPP: „... Es ist ein Wunder, das ein
Brief in eine subtropische Region diesen relativ guten Erhaltungszustand
aufweist! ... Als Ganzsache mit einer 22a stellt dieser Beleg „die blaue
Mauritius“ der Badenphilatelie dar! ...“ |
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